Interview mit Verena Rode

Wie sah deine süße Vergangenheit aus? 

Mein ganzes Leben lang hatte ich eine intensive Beziehung zu Zucker. Ich erinnere mich als ich klein war, wie ich gesüßte Kondensmilch (wie andere Nutella oder Erdnussbutter) aus dem Glas gegessen habe. Beispielsweise hat mir meine Großmutter beim Backen Eigelb gemischt mit Zucker zum Naschen gegeben. Süßes habe ich schon immer gerne gegessen. Wenn andere ein Stück Kuchen aßen und satt waren, konnte ich zwei oder sogar mehr essen. Wenn man mich gefragt hatte, ob ich Süßes oder Herzhaftes bevorzugte, dann lag die Antwort klar bei ersteres. Dies änderte sich jedoch als ich anfing mich gesund zu ernähren. Als ich anfing zusätzlich auf den weißen Zucker zu verzichten, bemerkte ich viele Veränderungen an mir.

Dennoch erwischte ich mich manchmal dabei, wie ich eine ganze Tafel dunkle Schokolade, in Erdnussbutter getunkt, mitten in der Küche im Stehen gegessen habe.  

Wann hast du gemerkt, dass du zuckersüchtig bist? 

Am 1. Mai 2018 kam die Nascherei wieder vor. Ab diesem Zeitpunkt war mir bewusst, dass ich zuckersüchtig bin. Nach dieser erschreckenden Erkenntnis fing ich an darüber nachzudenken, wieviel Zucker ich am Tag zu mir nehme – das Ergebnis schockierte mich.

Kannst du uns mitteilen, was du an einem Tag gegessen hast?

  • Apfelessigwasser mit Agavensirup am Morgen
  • Frühstück mit Früchten und gesüßtem Müsli
  • Müsliriegel nach dem Mittagessen
  • Früchte als Zwischenmahlzeit
  • Schokolade oder heiße Schokolade mit Kokosblütenzucker nach dem Abendessen.

Eigentlich waren alle Süßungsmittel, die ich zu mir genommen habe „gesund“, aber es war immer noch der Zucker, der meinen Blutzuckerspiegel ansteigen ließ. Aber warum? 

Wissenswertes

„Blutzucker wird hergestellt wenn Kohlenhydrate im Körper verarbeitet werden. Dafür wird Insulin aus der Bauchspeicheldrüse in die Blutlaufbahn ausgeschüttet, um den Blutzucker zu regulieren und in unsere Zellen aufzunehmen. Im Idealfall wollen wir unseren Blutzuckerspiegel über den Tag stabil halten, nicht zu gering und nicht zu hoch. Je mehr kohlenhydratreiches Essen wir zu uns nehmen, desto mehr Insulin wird benötigt um die Glucose im Körper zu transportieren, wodurch die Bauchspeicheldrüse mehr arbeiten muss (der Körper nimmt Schaden über die Zeit). Hält dieser Zustand an, produziert der Körper im Voraus mehr Insulin und das macht den Gewichtsverlust schwieriger.“ Rachel’s Good Eats übersetzt von Verena Rode

Wann hast du entschieden einen Zuckerentzug durchzuführen und wie sah deine Zuckerentwöhnung aus?

Mitte Mai 2018 entschied ich mich dazu einen Zuckerentzug zu machen, um eine Balance zu dem Zuckerkonsum herzustellen. 

Glücklicherweise folgte ich auf Instagram vielen Ernährungsberatern, wie zum Beispiel auch Rachel von „rachelgoodeats“, die öfter einen 7 Tage Zuckerentzug durchführte. Dieser kurze Zuckerentzug war für mich der ideale Zeitraum, um heraus zu finden, ob eine zuckerfreie Ernährung für mich das Richtige ist.

Ich kannte bereits viele zuckerfreie Rezepte, wie zum Beispiel die Nussbälle von „leefromamerica“, die ich noch am gleichen Tag zubereitete. 

An meinem ersten zuckerfreien Tag hatte ich frei und konnte somit alle meine Mahlzeiten für die Mittagszeit für die gesamte Woche zuckerfrei vorbereiten. Die Gerichte bestanden aus verschiedenen Suppen und geröstetem Gemüse. Nach der Vorbereitung der Gerichte durchsuchte ich meinen Vorratsschrank, um herauszufinden, welche Nahrungsmitteln ich nach wie vor essen konnte und ob es bessere Alternativen gab. 

Hast du weiterhin Obst gegessen? 

Bei der Zuckerdetox von Rachel waren bis zu 2 Portionen Obst am Tag erlaubt, deshalb entschied ich mich für mein Lieblingsobst, Blaubeeren. Diese haben übrigens von Natur aus sehr wenig Fruchtzucker. 

Was gab es bei dir für Snacks zwischendurch? 

Für die der Arbeit habe ich während meiner Spätschicht gerne einen fruchtbasierten Snack gegessen. Neben meiner 100% dunklen und zuckerfreien Schokolade habe ich mir außerdem zur Abwechslung hausgemachte zuckerfreie Schokoladen-Mandelmus-Mini-Törtchen zubereitet. 

Wie sah der typische zuckerfreie Tag bei dir aus?

Verena’s zuckerfreier Tag

Wasser mit einer Scheibe Zitrone
 

Matchlatte mit Nussmilch und Zimt
 

Frühstück: Sauerteigbrot, halbe Avocado, Spiegelei
 

Mittagessen: Gemüsesuppe
 

Snacks: Buttermilch, Karotten, Gurke oder Nüsse
 

Abendessen: gegrillter Lachs, Süßkartoffel-Pommes, Brokkoli
 

Snack: Proteinreicher Jogurt mit Kokosflocken, Kakaonibs und Haselnüsse oder heiße Schokolade aus Nussmilch, 100 %iges Kakaopulver und Zimt

Wie verliefen deine ersten 7 Tage Zuckerdetox? 

Mein erster Tag begann mit einer sonnigen Runde joggen, nachdem ich zur Stärkung einen Nussball gegessen hatte. Im Anschluss an meine Sporteinheit gab es zum Frühstück einen selbst gemachten zuckerfreien Matcha-Smoothie. Für die Arbeit habe ich auch einige Nussbälle eingepackt. 

Nach ein paar Stunden habe ich mich schwach und müde gefühlt und ich spürte, dass mein Körper etwas vermisste und am Arbeiten war. Zu meinem Erstaunen hatte ich zum allerersten Mal nach dem Mittagessen kein Verlangen nach etwas Süßem, was ich normalerweise immer hatte.

Am zweiten Tag steckte ich mitten im Entzug, das hielt mich aber dennoch nicht davon ab wieder eine Runde laufen zu gehen. Denn ich liebe es den Tag mit Sport zu beginnen und außerdem ist er wichtig für eine gesunde Lebensweise. An diesem Tag wartete wieder eine Spätschicht auf mich und somit hatte ich genügend Zeit mir in Ruhe mein Frühstück zu zubereiten. Es gab Süßkartoffel-Toasts mit Avocado, Mandelmus und Blaubeeren. 

Der dritte Tag 3 war einfach: Es gab glücklicherweise keine Heißhungerattacken und ich fing wieder langsam an auf mein Hungergefühl zu achten. Etwas, das ich durch meine Essstörung, in jungen Jahren, leider verlernt hatte. 

Am nächsten Morgen startete ich meinen freien Tag mit einer langen Laufrunde und einem Besuch bei Starbucks, wo ich herausgefunden habe, dass meine geliebte Matchalatte auf Bestellung auch zuckerfrei zubereitet werden kann. Seit 2 Jahren trinke ich keinen Kaffee mehr.

Zuhause angekommen, war ich überhaupt noch nicht hungrig, obwohl Frühstückszeit war. Ich habe nichts gegessen, weil ich weiter auf mein Hungergefühl achten wollte.

Wissenswertes

„Wir werden mit einem natürlichen Hungergefühl ausgestattet, das den meisten Menschen im Laufe ihres Lebens abtrainiert wird, wie zum Beispiel durch die klassische Aufteilung der Mahlzeiten.“ Rachel’s Good Eats übersetzt von Verena Rode

Ein paar Stunden später, als ich unterwegs war, wurde ich hungrig, jedoch hatte ich diesmal kein Verlangen nach etwas Süßem, sondern nach etwas Herzhaftem. Dies kam so gut wie nie bei mir vor. In der Stadt entdeckte ich ein Falafelgeschäft und entschied dort zu Mittag zu essen. Wenn man auswärtig isst, ist es sehr wichtig, dass man immer nach hinzugefügten Zucker fragen sollte, auch wenn man etwas Herzhaftes bestellt.

Meine bestellte Falafelbox im Falafelgeschäft wurde mit einem hausgemachten Dressing serviert, das leider auf Nachfrage, Honig enthielt.  Aus diesem Grund entschied ich mich gegen die Sauce. Die Bällchen schmecken pur auch hervorragend.

Am Nachmittag überkam mich eine Heißhungerattacke und ich bereitete mir eine Schüssel Kokosnussjogurt mit Blaubeeren, ungesüßtem Müsli und Mandelmus zu.

Der 5. Tag war ein Sonntag und eine Wanderung mit meinem Mann stand auf dem Plan. Deshalb habe ich am Abend zuvor zuckerfreies Essen für unterwegs vorbereitet. Haferbrei, Nussbälle und vorgeschnittenes Gemüse und Nüsse eignen sich sehr gut für unterwegs.

Durch die Wanderung hatte ich am nächsten Tag ungewöhnlicherweise Muskelkater. Zu diesem Zeitpunkt bin ich davon ausgegangen, dass es am Zuckerentzug lag. Jedoch weiß ich mittlerweile, dass es an meiner niedrigen Proteinzufuhr in meiner Ernährung lag.

Was hast du aus diesen ersten sieben Tagen mitgenommen? Und wie sieht es nun heute aus?

Nach dieser allerersten Zuckerdetox entschied ich mich weiterhin zuckerfrei zu leben und bis heute habe ich die zuckerfreie Ernährung beibehalten. Durch die Erfahrungen im letzten Jahr entschied ich mich eine Ausbildung als Ernährungsberaterin anzugehen. Seit kurzem habe ich nun meine mehrmonatige Ausbildung zur Ernährungsberaterin abgeschlossen und habe unter anderem gelernt, dass Zucker, egal in welcher form, dennoch Zucker bleibt. 

Wissenswertes

„Zucker hat immer die gleiche Wirkung auf den Körper. Er geht direkt in die Leber und wird dort sofort in Fett umgewandelt, bis er gebraucht wird, dann wird er in Energie umgewandelt. Wenn Zucker, wie Industriezucker, der zu gleichen Teilen aus Glucose und Fructose besteht in den Körper gelangt, wird außerdem das Sättigungshormon Lektin ausgeschaltet und wir haben das Gefühl nicht mehr aufhören zu können.“ Rachel’s Good Eats übersetzt von Verena Rode

Seit dem ich diese Informationen habe, gehe ich viel bewusster mit der Wahl meiner Lebensmittel um. Ich suche nicht nach Alternativen, sondern suche mir andere Nahrungsmittel, die auch gut schmecken. Das beste Beispiel für mich ist wohl Schokolade. 

Es gab bei mir oft die teure 100%ige Schokolade ohne Zucker aus dem Bioladen bis ich Kakaonibs für mich entdeckt habe, die genauso lecker und sogar ein wenig günstiger sind.

Wie lautet dein Fazit? 

Durch eine zuckerfreie Ernährungsweise und den Verzicht auf weitestgehend verarbeitete Nahrungsmittel halte ich mittlerweile konstant mein Körpergewicht und ich habe dadurch ein klares und schönes Hautbild erhalten. Darüberhinaus habe ich so viel mehr Energie in meinem Alltag, eine bessere Konzentration und Nachts habe ich inzwischen einen viel ruhigeren Schlaf. Durch eine zuckerfreie Ernährung habe ich einen bewussteren Umgang mit Lebensmittel erlernt und meine Verdauung ist geregelter als zuvor. Heißhungerattacken oder Nachmittagstiefs gehören der Vergangenheit an.

Vielen Dank liebe Verena für das Interview. 

Mein Name ist Verena und gesundes Essen ist meine Leidenschaft. Ich hatte als Teenager Esstörungen, habe Ende 20 insgesamt 22 kg abgenommen, hörte Anfang 30 mit dem Rauchen auf und fing an zu joggen. Ich bin nun Mitte 30 und trinke seit 1 1/2 Jahren keinen Kaffee und esse seit 9 Monaten keinen Zucker mehr. Ich glaube daran, das eine ausgewogene Ernährung einfach sein kann und den Körper gut nähren sollte. Mit meiner „echten Lebensmittel“ Philosophie ist es mein Ziel Menschen beizubringen, bewusst zu essen, kompromisslos bei der Wahl der Nahrung zu sein und dass eine gesunde Ernährung eine Prävention für die Zukunft der Gesundheit ist. Mein Motto:  „be friends with your body“ (sei mit deinem Körper befreundet).

Hier kannst du Verena erreichen:

Verena’s Blog: www.healthyeatingbyv.com

Instagram: @healthyeatingbyv